SV Berlin-Chemie Adlershof Triathlon
SV Berlin-Chemie Adlershof Triathlon

Rügenbrückenmarathon

Samstag fand an der Ostsee der Rügenbrückenmarathon und Kirsten, Jörg und Kirsten waren dabei. Alle drei haben die Berlin-Chemie-Fahne hochhalten können. So konnte Kirsten in ihrer Altersklasse den zweiten Platz erringen.

 

Aus dem Gesamtergebnis (einfach oben links bei "Alle anzeigen" Marathon auswählen) entnommen hier ihre Ergebnisse:

 Platz   Platz AK         Name              Zeit         Rückstand 
9. 3. HeikoS 3:06:47 -
65. 7. Jörg 4:00:27 0:53:40
95. 2. Kirsten 4:44:26 1:37:39
 

Kirstens Bericht:

"Kurz gesagt: Es war ein toller Lauf - wann werde ich mal wieder ganz vorn an der Startlinie stehen und zweite in meiner AK werden???

Zunächst dachte ich mich verhört zu haben, als der Sprecher etwas von 100 Startern auf der langen Distanz sagte. Ich hatte angenommen, die Teilnehmerzahl von knapp 3000 bezieht sich auf die Marathon-Läufer! Also sammelte sich bei ziemlicher Kälte eine sehr überschaubare Truppe am Start- wir sahen super aus mit den schicken Sachen!

Kurz nach dem Start ging es mitten durch das Rathaus - sehr schön! Hafeninsel und dann ´rauf auf die Brücke - unbeschreiblich! Die Steigung hatte ich mir schlimmer vorgestellt.

Das Feld hatte sich schon zu diesem frühen Zeitpunkt weit auseinander gezogen- das war durch die Streckenführung gut sehen. In ziemlich kurvigem Kurs ging es durch die Landschaft; Radwege, wenige Straßenabschnitte, Feldwege, alles dabei.
An jeder Ecke standen Ordner, oder es waren Pfeile auf die Straße gemalt. Verpflegungsstellen folgten sehr dicht aufeinander, meistens gingen ein paar flotte Sprüche hin und her.

Die Strecke war im Prinzip eine Hin- und Rücktour - irgendwann kam der erste Läufer, begleitet von einem Radfahrer. Dann Heiko, sehr flott, und dann auch Jörg, frisch und entspannt. Und endlich die Gewißheit: Ich bin nicht die letzte!!

Über weite Strecken ein recht einsamer Lauf, und irgendwie ist bei 20- 25km dann doch meine "Schallmauer" erreicht. Das Tempo wird langsamer, und es stellt sich die Frage: Zusammenreißen und wieder schneller laufen? Oder reicht´s dann nicht bis in´s Ziel? Zwischendurch läuft´s dann auch mal wieder schön locker. Anstrengend wird das Ganze durch
kurze, aber doch bissige Steigungen, dazu der Wind. Aber der wunderbare Blick auf die Silhouette von Stralsund entschädigt!!

Endlich die Rügendammbrücke, der Blick geht hinauf auf neue Brücke - ist noch gar nicht so lange her, als ich da oben war. Das Riesengebäude der Werft taucht auf und es geht zurück auf der Hafeninsel: Hier wird es die letzten beiden Kilometer dann ganz drollig - Menschen mit Stöcken, die rein outfitmäßig irgendwie nicht als Sportler erkennbar sind, aber eine Startnummer an der Jacke haben, Familien mit ihrem medaillentragenden Helden in der Mitte, Zuschauer aller Art - Volksfest eben. Und unser Heiko - strahlend und offensichtlich zufrieden.

Im Zielbereich mußte ich dann noch ein paar Leute umkurven, um über die Linie zu kommen. Und: Es war geschafft Jörg war da und alles gut!"

Heikos Bericht:

"Wie fängt ein optimaler Marathontag an? Mit einer Wettervorhersage, die weit ab von allem ist, mit dem man rechnet. Am Donnerstag hieß es noch, dass in Stralsund ganztätig etwa 8-9°C erreicht werden sollen und es auch nachts nicht kälter wird. Das macht Sinn, leben die Stralsunder doch direkt am Meer. Das Meer wärmt in der Nacht und kühlt am Tage. Also steht man Sa morgens um 5:50 auf, guckt sich den Wetterbericht an und stellt fest: Es ist viel, viel kälter, außerdem sieht man auch nichts. Prima. Hoffentlich ist das Frühstück besser. Es war besser. Kalt war es dennoch und zwar kälter, als in Rostock, wo ich nächtigte. Ich habe mein warmes Langarm-Thermoshirt eingepackt, aber noch einige Alternativen, falls das Thermo zu warm sein sollte. An etwas wärmeres, als das Thermoshirt dachte ich nicht. Zum Glück brauche ich das auch nicht. Ich habe mich zunächst mit Kirsten und Jörg an der Startnummernausgabe getroffen und wir beschlossen, noch etwas innerhalb der beheizten Räumlichkeiten zu verweilen und vor der Kälte zu fliehen. Irgendwann musste ich dann aber doch noch mal zum Auto, meine letzten Startvorbereitungen treffen. Mir war dort schon kalt und die Strategie, etwas ausziehen um der Kälte zu trotzen erschien mir tapfer. Wärmer wurde dennoch nicht. Der Wettergott hat keinen Sinn für Tapferkeit einzelner Athleten.
Das übliche Prozedere vor einen Marathonstart lief inzwischen schon sehr routiniert ab. Schuhwerk wechseln, reibungsempfindliche Stellen eincremen, entzündungshemmende Salbe essen … HA! Diesmal nicht. Ich habe vorgesorgt und kenne mich selbst. Meine Nervosität vor so einem Wettkampf erzeugt natürlich dieses unwiderstehliche Verlangen, etwas total Dämliches zu tun. Hunger nach Salbe ist ein Beispiel dafür und letztes Jahr habe ich diesem Verlangen ja noch nachgegeben – mit fatalen Folgen. Dieses Jahr habe ich dem vorgebeugt und erst gar keine gelartige Creme eingepackt. Also kurz das Wollfett gezückt und – nein auch das habe ich nicht gegessen. Dann den Triathlon Einteiler mit Nahrung bestückt und auf Richtung Start. Die Stimmung war gut, das Wettkampffieber blendete die Kälte aus. Ganz ungewohnt für Kisten und Jörg: Ich kam als letztes in die Startzone und schob beide sachte ganz vorn in die erste Reihe. Dort steht ein aktiver Triathlet und dort sind Stimmung und Vorfreude am größten. Dort hüpften wird noch ein wenig im Takt und winkten den Zuschauern zu und verbrachten so die letzten 2 Minuten bis zum Startschuss. Peng!

Reflexartig nahm ich meine Beine in die Hand und flüchtete vor dem Schuss. Kurzer Blick nach hinten: Es wurde niemand getroffen, alle waren wohlauf und flohen in dieselbe Richtung. Es ging durch das Rathaus Richtung Rügenbrücke und dort mit zwei Spitzkehren auf die Fahrbahn, die für den öffentlichen Kraftverkehr für diesen Tag gesperrt wurde. Letztes Jahr ließ sich dieser Abschnitt, eine lang gezogene Linkskurve noch ganz innen laufen. Das gab ich Familie Klingner auch mit auf den Weg. Ich hoffe, sie sind mir deshalb nicht mehr böse, denn dieses Jahr wurde die gesamte linke Hälfte der Fahrbahn auch für Läufer gesperrt. Sorry Jörg und Kirsten, wenn ich das vorher gewusst hätte. Auch sonst wurde der Streckenverlauf gegenüber dem letzten Jahr angepasst. Schwieriger oder leichter wurde die Strecke damit nicht. Eine Schleife wurde am Wendepunkt entfernt und dafür im ersten Drittel hinzugefügt. Ein Nullsummenspiel, die Strecke hatte immer noch 42,2km.        

Den Berlin Marathon vor 3 Wochen und Klaus sein Stadionprogramm noch in den Beinen war meine Rennstrategie klar: Nicht trödeln, aber Kräfte schonen. Vor allem auch, weil Südwind mit 4Bft angesagt waren. Das hätte auf dem Rückweg ein Problem werden können. Wurde es nicht! Nicht für mich. Meinen Mitläufer, mit dem ich bis Kilometerpunkt 33 seit gut 23km gequatscht hatte und gemeinsam gelaufen bin, musste aber dann eine Lücke aufmachen und konnte auch in meinem Windschatten nicht dran bleiben. So lief ich den Rest der Strecke allein weiter und habe bei km 34 das bisher einzige Flüssiggel eingenommen. Man weiß ja nie. Es ging kurz danach das dritte Mal nach Altefähr hinein und dort habe ich mich tatsächlich dann verlaufen. Ich hatte niemanden vor mir und lange niemanden mehr hinter mir. So lief ich gerade aus, solange ich nichts anderes erkennen konnte. In diesem Abschnitt gab es noch mal einige kurze giftige Anstiege. Wer bis hier her noch kein Laktat in den Beinen hatte, konnte das schnell ändern. Ich habe hier schon deutlich ein Brennen in beiden Oberschenkeln gehabt. So lief ich die Anstiege und immer geradeaus weiter in den Kletterpark hinein. Hier wurde ich unsicher. Es kam mir eine Gruppe von Spaziergängern entgegen und sie jubelten und klatschten gar nicht, sondern sahen mich eher verstört an. Hallo? Ich war ein Top10 Marathonläufer und außerdem sehe ich beim Laufen einfach total gut aus! War ich noch auf der korrekten Strecke? Man hätte an einer Stelle wieder halbrechts abbiegen können, um unten am Wasser zu laufen. Hmm, unsichere Blicke links und rechts, na ja mehr rechts. Kurz nachdem ich den Kletterpark verlassen habe, sah ich rechts ein wenig unterhalb eine rote Warnweste. Ordner! Mist! Ich war nicht auf der Strecke und schlimmer: um zu ihm zu gelangen musste ich etwa 35m eine Treppe bergab laufen. Unten angekommen habe ich mich kurz erkundigt. Es geht vorn links hoch. Prima. Da oben war ich doch schon, ich hätte also nur geradeaus weiter laufen können. Egal. Aus Altefähr war es ja auch nicht mehr weit und den Zielbereich mit seiner Musik und dem Moderator konnte man schon lange hören.

So ging es durch Altefähr durch Richtung Rügendamm. Vom Rügendamm waren es die letzten 3km und die Oberschenkel brannten inzwischen, wie das Höllenfeuer selbst. Ich habe nicht hingesehen, aber ich war mir sicher, dass sie hellgelb glühten und das deutlich zu sehen war durch den Einteiler hindurch. Aber es war nicht mehr weit und ich hatte schon wieder jede Menge Gesellschaft. Die Marathonstrecke traf in Altefähr auf die Strecke der Halbmarathonläufer und diese sammelte ich einen um den anderen ein. Die waren alle nicht langsam, aber zu langsam, um mir auf dem Rügendamm noch mal einen anständigen Windschatten zu bieten gegen den eisigen Südwind. Die Kälte hatte ich hier aber längst ausgeblendet. Ich war on fire, denn ich brannte lichterloh und ich überholte andere Läufer. Mein persönliches Ying und Yang. Am Ende des Rügendamms war es am schlimmsten und hier gönnte ich mir 2km vor dem Ziel einen Schluss Cola und eine ganz kurze Stehpause. Auf geht’s, die letzten Meter machen. Flamme an, Tempo hoch und weiter geht’s. Noch ein kurzes Stück Richtung Süden und dann endlich die ersehnte Rechtskurve. Ab hier wurde es nur noch besser, ich immer euphorischer. Gerade habe ich die 3h Marke passiert, die Zeit wird der Knaller. Ich verlängerte meine Schritte und jubelte hier und da den Streckenposten zu. Ein Halbmarathonläufer hing sich an meine Fersen und gab nach 50m wieder auf. Ich beruhigte ihn und versicherte, dass ich nicht in seiner Wertungsklasse starte und er den letzten Meter genießen solle. So ging es am Parkhaus vorbei, vor dem auch mein Fahrzeug auf mich wartete. Von hier keine 200m mehr. Herrlich. Ich habe es gepackt, ohne den großen Einbruch vom letzten Jahr bei Kilometerstein 14! Selbst das letzte Stück würde ich nicht unbedingt als Einbruch bezeichnen, Energie war noch da, nur eben auch das Brennen in den Oberschenkeln. Noch einmal rechts / links und über eine kurze flache Brücke und hier ist die Zielgasse.

Alle haben auf mich gewartet … na ja und auf die anderen vielen Teilnehmer. Die Halbmarathonläufer nutzten die letzten 50m noch mal für einen Schlussspurt, ich saugte die Stimmung und den Erfolg in mich auf. Zielzeit unter 3:07h. Ich feuerte die Zuschauer an und animierte sie, uns alle mit ein wenig Lärm zu empfangen. Na ja, das funktionierte nur verhalten. Egal. Finish! Knie halten. Aber nur kurz, aber auch immer wieder. Medaille und Getränke holen und nach kurzer Abkühlphase sind sie wieder da: Die Minus 2°C von heute früh. Ich hätte doch etwas Wärmeres einpacken sollen."

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